Johannes Feuerbach

Beziehung, die man tanzen kann


Beziehung, die man tanzen kann
  • ist eine Methode zur Paar-Selbsterfahrung. Sie integriert Tanzunterricht, gestalttherapeutische Selbsterfahrung, Körperarbeit und Tiefenpsychologie und ist in der humanistischen Psychologie und der systemischen Therapie verwurzelt.
  • verbindet alltägliche und außergewöhnliche Erfahrungen durch Begegnungs-, Bewegungs- und Reflexionsrituale.
  • gestaltet und untersucht die drei folgenden universellen Paardynamiken:

"Wir tun uns gut"


"... das, was letztlich die Liebe ausmacht, ist ganz schlicht der Wunsch, einem anderen wohltun zu wollen"
(Fritz Riemann).


Geben, Nehmen und Ausgleichen


"Das Motto des Lebens ist 'Geben und Nehmen'. Jeder Mensch muss sowohl Geber als auch Nehmer sein. Wer nicht beides ist, gleicht einem Baum, der keine Früchte trägt" (Chassidisches Sprichwort).


Be-, An- und Entgrenzen

An unseren Grenzen entsteht Bewusstheit, die "per se — durch und aus sich selbst heraus — heilsam sein kann" (Fritz Perls). Sie entsteht auch jenseits der Grenzen, dort, wo "das Mark menschlicher Verbundenheit durch die Lücken der Struktur drängt" (Victor Turner). Bewusstheit umfasst das wache, selbstreflexive Bewusstsein der Person als auch eine empfindsame und differenzierte Wahrnehmung der gegebenen Situation.

Begrenzen ist die Kunst das (momentan) unveränderliche zu gestatten und zu ertragen.

Ein Beispiel für das Angrenzen ist die so genannte Auseinadersetzung. Man erkennt die eigenen und die Besonderheiten des anderen. Manchmal ist das freudvoll und berührend und manchmal leidvoll und trennend. Angrenzen geschieht auch immer dann, wenn Pläne und Verabredungen in Übereinstimmungen mit den Möglichkeiten getroffen werden und gelingen.

Entgrenzen ist die Befreiung aus eigenen und/oder fremden idealtypischen Vorstellungen und Erwartungen als auch aus Gewohnheiten.



Die Ziele und Möglichkeiten

  • Die Paare können beglückende Bindungserfahrungen in Gesprächen, bei der Paar-Kontemplation und im Tanz machen.
  • Die Partner haben interessante und bereichernde Kontakte miteinander und auch mit anderen Paaren. Sie können die Gruppe bzw. den Workshop mit Gefühlen der Verbundenheit abschließen und gelöster nach Hause fahren, als sie gekommen sind.
  • Die Paare können sich tänzerisch, verbal und im stillen Miteinander-Sein einfühlsam verhalten.
  • Die Teilnehmer beherrschen den Grundschritt des Tango argentino.
  • Die Musik und die Kontemplation öffnen einen Beziehungsraum, in dem man von überpersönlichen Erfahrungen des Gebunden-, Verbunden- und Aufgehoben-Seins überrascht werden kann.



Die Formate

Der "Schnuppertag"

Der Schnuppertag bietet die Möglichkeit, innerhalb eines Tages einen ersten Eindruck von "Beziehung, die man tanzen kann" zu gewinnen.


Das Wochenende

Die Wochenend-Workshops finden von Freitagabend bis Sonntagmittag statt. Es gibt zwei Übernachtungen. Durch die Dauer und das Zusammenleben der Gruppe bekommen die Paare vielfältige Anregungen und das Zusammengehörigkeitsgefühl ebenso wie die Gruppendynamik gewinnen an Tiefe.


Die Jahresgruppe

Eine Jahresgruppe besteht aus drei Wochenenden. Die Arbeit entfaltet sich an den Bewegungserfahrungen und deren Reflexion. Dazu gehören

  • die Verfeinerung des Zusammenspiels von Impuls und Antwort
  • die Vertiefung der Begegnung in der Paar-Kontemplation
  • die Arbeit in der Unmittelbarkeit des Augenblicks in der gemeinsamen Präsenz der Mitteilungsrunden
  • die Erweiterung der Schritt- und Figurenkompetenz im Tango argentino: Basisarbeit, Grundschritt, Verzierungen, Achten und kleine Drehungen
  • Körperarbeit an der inneren und äußeren Aufrichtung und
  • die Reflexion und Kontemplation der paarspezifischen Herausforderungen.

Zwischen den Workshops gibt es "Partnerschafts-Projekte", sie kommen per Mail und beinhalten zur Zielsetzung des Programms passende Übungen. In einer Jahresgruppe erleben Paare eine (Wieder)Annäherung und eine Vertiefung der Partnerschaft. Außerdem begleitet die Jahresgruppe die Teilnehmer-innen wohltuend langsam vom Anfängerstatus im Tango argentino zur Mittelstufe. Die nächste Jahresgruppe beginnt im Oktober 2013 bei Aschaffenburg.



Die Praxis

Körperlernen, Reflexion, Kontemplation

Die Paardynamiken werden anhand des Körperlernens, der Kontemplation und der Reflexion gestaltet und betrachtet.

Beim Körperlernen geht es um den Zusammenhang zwischen Haltung, Stellung und Bewegung und der damit korrespondierenden Haltung, Einstellung und Bewegtheit im psychologischen Sinn (Helmut Stolze). Dabei spielt der Tango argentino eine zentrale Rolle; ein Tanz, der wie kein anderer affektives und körperliches Lernen anregt, die Bewusstheit intensiviert und das Paar für den jeweils gegebenen Kontakt sensibel macht.

In der Kontemplation geht es um die Wohltat des Geschehenlassens, um Stille und die Übung der Paar-Kontemplation. Mit letzterer verbinden die Partner Gespräch und Beschaulichkeit in einer ritualisierten Begegnung. Carl Rogers beschreibt diese Seins-Möglichkeit so: "I find that when I am closest to my inner, intuitiv self, when I am somehow in touch with the unknown in me ... Then, simply my presence is releasing and helpful to the other" (Carl Rogers).

Einblicke in das Erleben der anderen bereichert die eigene Reflexion, macht auf Möglichkeiten aufmerksam und stimuliert die Erweiterung des "Raums der freien Bewegung" (Kurt Lewin). Beim Bemühen um eine gelingende Partnerschaft fühlt man sich aufgehoben in einer Gruppe Gleichgesinnter. Je tiefer der Austausch wird, umso ähnlicher werden die Herausforderungen.

Die Termine finden Sie im Veranstaltungskalender.



Rückmeldungen und Beiträge aus Mitteilungsrunden

Da ist ... diese Verbindung, dieses gemeinsame Volumen und dieses Tanzen mit seiner Bewegung und Distanz um dieses Volumen herum. Dieses Volumen wird gestaltet durch die Bewegung. Die einzelnen Techniken, die mit dazu kommen, sind die Feinheiten, aber im Grunde geht es immer wieder um dieses Gemeinsame. Das bringt mich zum Nachdenken, wo in meinem Leben das auch so ist. ... In welcher Form ist da etwas, was uns verbindet; was mit unserer Beziehung zu tun hat, was eigentlich das Wesentliche ist, aber vielleicht zu kurz gekommen ist in der Vergangenheit. Und die Technik oder das „Drumherum“ zu sehr im Vordergrund steht, wobei es eigentlich immer nur um dieses In-der-Mitte geht. Das ist die Essenz unseres Lebens. Letztendlich die Essenz dessen, was wir gemeinsam erleben können.
Ich habe das Gefühl, viel erlebt zu haben, fühle mich sehr voll und wünsche mir Zeit zu haben, darüber nachzudenken. Zeit zu haben, dem noch mal nachzuspüren und nachzudenken was da war. Ich habe das Gefühl, etwas Wichtiges erlebt zu haben.
(Horst Benz, Leiter der freien Akademie für Kunst und Kreativität, Ober-Ramstadt)

Man muss nicht ein Wellness-Wochenende oder so etwas machen. Das ist für mich eine Aussage, die das noch mal unterstreicht, was sich für mich während des ganzen Wochenendes gezeigt hat. Diese Führungsimpulse beim Tango, die sind so minimal, die sieht man als Außenstehender manchmal kaum. Und in der Beziehung ist es auch oft so, dass eigentlich nur ein Dankeschön reicht, um ganz, ganz viel zu sagen.
(Aus Aufzeichnungen vom 27. 1. 2008)

Man erhofft sich etwas von der Beziehung durch das Tanzen Lernen. ... Was könnte ich lernen, damit ich und der Tanz besser funktionieren? Und dann stellte ich jedes Mal fest, dass es eigentlich eine Beziehungsfrage ist. Also konkret war dieses Mal die Vorstellung, wie komme ich in die Bewegung? Und das hat in der Beziehung ... etwas ausgelöst. Dann war das Paargespräch, und danach klappte die Bewegung besser im Tanz. Und heute noch mal besser. ... indem man am Tanz feilt oder am Ausdruck, ändert sich etwas in der Beziehung. ... Und das Erstaunliche ist, dass sich das gegenseitig befruchtet und dass ich es so beglückend erlebe.
(Dr. Martin Steigerwald, Homöopathischer Arzt)

A. und ich haben viel mitgenommen. Z. B. Gesprächsstoff für die nächsten Tage (A. meinte, soviel würden wir sonst nicht im ganzen Jahr reden), über gemachte Erfahrungen, liebe Menschen die wir kennen lernen durften ... Ich weiß nicht genau, was passiert ist und wodurch aber nach den zwei Tagen hat sich unsere Beziehung sehr ins positive verändert. Es war mehr Innigkeit da, ... viel Freude aneinander und Spaß und Lachen miteinander, mehr Verständnis füreinander. ... erlebt zu haben, was in unserer Beziehung möglich ist und die Ahnung, dass noch mehr kommen kann, ist für mich ein Schatz, den ich versuche, mir zu bewahren ...
(Aus einem Brief vom Januar 2012)

Der gesamte Workshop war wie eine goldene Stunde!
(Eckhard Spethmann, Co-Autor von "Pubertät — Der Ratgeber für Eltern")